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Wohnung von privat mieten — warum der Filter auf ImmoScout24 keiner ist
Wer „Wohnung von privat mieten“ anklickt, erwartet eine Suche nach Anbietertyp. Tatsächlich läuft dort eine Volltextsuche nach dem Wort „privat“. Das Ergebnis ist beides gleichzeitig: zu wenige Treffer und die falschen.
Was die „von privat“-Suche wirklich macht
ImmoScout24 hat keinen Filter für private Anbieter. Die Seiten, die so aussehen, hängen an die Suche den Parameter für eine Volltextsuche nach dem Wort privat — sie durchsuchen also den Anzeigentext, nicht das Anbieterprofil.
In Hamburg gemessen (Stand 31. Juli 2026): 3.891 Mietwohnungen insgesamt, mit „von privat“ bleiben 58 übrig. Das sind 1,5 Prozent. Der tatsächliche Anteil privater Anbieter liegt nach eigenen Zählungen über mehrere Städte und Ergebnisseiten bei 30 bis 60 Prozent.
Warum ausgerechnet Makler übrig bleiben
Eine Textsuche kann nicht zwischen „von privat“ und „Privatgarten“ unterscheiden. In den 58 Hamburger Treffern standen unter anderem Wentzel Dr., Engel & Völkers und DAHLER — allesamt gewerbliche Anbieter, deren Inserate das Wort im Text führen, etwa als „Privatsphäre“, „Privatgarten“ oder „Privatparkplatz“.
Umgekehrt fällt jedes echte Privatinserat heraus, in dem das Wort nicht vorkommt — und das ist der Normalfall. Wer seine eigene Wohnung vermietet, schreibt „Helle 2-Zimmer-Wohnung mit Balkon“, nicht „von privat“.
Kurz: Die Suche filtert nicht nach Anbieter, sondern nach Wortwahl. Sie belohnt Makler mit gutem Textmarketing und bestraft private Vermieter, die einfach ihre Wohnung beschreiben.
Das Missverständnis mit der Provision
Fast jeder Ratgeber zu diesem Thema argumentiert mit der Maklerprovision. Für Mietwohnungen ist das schlicht überholt.
Seit dem 1. Juni 2015 gilt das Bestellerprinzip (§ 2 Abs. 1a Wohnungsvermittlungsgesetz): Die Provision zahlt, wer den Makler beauftragt hat. Bei einer vermieteten Wohnung ist das der Vermieter. Als Mieter zahlst du nur dann, wenn du selbst einen Suchauftrag erteilt hast — und Klauseln, die die Provision auf den Mieter abwälzen, sind unwirksam.
Für die Mietwohnungssuche ist „provisionsfrei“ also kein Unterschied zwischen privat und gewerblich. Beim Kauf einer Immobilie und bei Gewerbeflächen gilt das Bestellerprinzip dagegen nicht — dort ist die Provision weiterhin ein echtes Thema.
Was ein privater Vermieter wirklich besser macht
Wenn es nicht das Geld ist, was dann? Nach unserer Erfahrung drei Dinge:
- Du redest mit der Person, die entscheidet. Kein Makler als Zwischenstation, keine Interessentenliste, in der du Nummer 47 bist.
- Weniger Andrang. Private Inserate werden schlechter gefunden — genau deshalb gibt es diese Seite. Wer sie findet, konkurriert mit deutlich weniger Bewerbungen.
- Die Bewerbung wird gelesen. Statt eines standardisierten Formulars mit Schufa-Upload entscheidet oft ein persönlicher Eindruck.
Der oft genannte Preisvorteil ist real, aber kein Automatismus: private Vermieter mit langjährigem Bestand ziehen die Miete seltener konsequent nach. Mietpreisbremse und Vergleichsmiete gelten für alle gleich.
Wie du private Inserate trotzdem findest
Vier Wege, die unabhängig von dieser Erweiterung funktionieren:
- Portale, die ausschließlich privat listen. ohne-makler.net ist der bekannteste; auf Kleinanzeigen inserieren viele private Vermieter, die Portalgebühren vermeiden wollen.
- Direkt bei Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften bewerben. SAGA in Hamburg, Gewobag, degewo und howoge in Berlin, GEWOFAG und GWG in München, dazu die örtlichen Baugenossenschaften. Das sind gewerbliche Anbieter, aber sie halten die günstigsten Bestände. Wartelisten sind lang — deshalb: früh eintragen, nicht erst beim Umzug.
- Nachbarschaft und Aushänge. Ein erheblicher Teil privater Wohnungen wird nie auf einem Portal inseriert, sondern über Bekannte, Hausaushänge oder lokale Gruppen vergeben.
- Die „von privat“-Seite skeptisch lesen. Nutze sie als Ergänzung, nicht als Filter — und prüfe bei jedem Treffer den Anbieter, bevor du Zeit investierst.
Und auf ImmoScout24 selbst
Zu jedem Inserat liefert ImmoScout24 im Quelltext der Ergebnisseite ein Merkmal mit, das privat und gewerblich sauber trennt. In der Oberfläche wird es nirgends als Filter angeboten — was betriebswirtschaftlich nachvollziehbar ist, denn die Makler sind die zahlenden Kunden.
NurPrivat ist eine kostenlose Chrome-Erweiterung, die genau dieses Merkmal ausliest: Makler, Tauschwohnungen und Neubauprojekte werden ausgeblendet, private Vermieter bleiben. Über der Trefferliste steht jederzeit, wie viele Anzeigen ausgeblendet wurden, und ein Klick zeigt sie wieder an. Die Erweiterung wirkt auf Miet-Suchen; beim Kauf und bei WG-Zimmern gibt es zu wenige private Anbieter, dort bleibt sie absichtlich inaktiv.
Im Chrome Web Store installieren
Häufige Fragen
Zahle ich als Mieter eine Maklerprovision?
Bei Wohnraummiete in der Regel nicht — das Bestellerprinzip weist sie dem Auftraggeber zu, also fast immer dem Vermieter. Ausnahme: du hast selbst einen Suchauftrag erteilt. Beim Kauf gilt das nicht.
Wie viele Wohnungen sind wirklich von privat?
Bei Mietwohnungen je nach Stadt und Ergebnisseite 30 bis 60 Prozent. Beim Wohnungskauf unter fünf Prozent, bei WG-Zimmern praktisch keine.
Sind Tauschwohnungen private Angebote?
Nein. Sie werden über ein gewerbliches Konto eingestellt und gelten damit als gewerbliche Inserate.
Ist NurPrivat ein Angebot von ImmoScout24?
Nein. NurPrivat ist ein unabhängiges Projekt und steht in keiner Verbindung zur ImmoScout24 GmbH oder zur Aviv Group.
Stand: 5. August 2026. Die Zahlen zu Hamburg wurden am 31. Juli 2026 erhoben und ändern sich mit dem Angebot.